

Interview mit Julia, Director Data Strategy bei interone
Julia hat sich über mehrere Rollen hinweg ins Director-Level eingefunden und leitet jetzt vom Münchner Standort aus das Data-Team bei interone. Im Interview gibt sie euch Einblicke in ihren Werdegang, erzählt von Kundenprojekten und der Teamarbeit und teilt ihre Sicht auf die Entwicklungen im Data-Bereich.
Julia, du bist Director Data Strategy – was beinhaltet deine Rolle?
Als Lead des Data Teams kümmere ich mich um die bessere Verzahnung von Daten und Strategie sowie den Ausbau unseres Data-Geschäfts. Dazu gehören neben disziplinarischen Lead-Tätigkeiten wie Teamführung und Personalentwicklung auch Themen wie Datenstrategien, Reporting- und Dashboardstrukturen, zielgerichtete Erfolgsmessungskonzepte und das Vorantreiben von tiefgreifenden Analysen und der Datenexpertise unserer Kundinnen und Kunden.
Außerdem passe ich fortlaufend unser Angebot im Data-Bereich an, um es noch besser auf Kundenbedürfnisse auszurichten. Letzten Endes geht es darum, digitale Experiences für unsere User und Userinnen auf Basis von Daten immer weiter zu optimieren.
Daneben bin ich aber auch noch seit sieben Jahren operativer Teil des Strategieteams. Da beschäftige ich mich mit Plattform- & Contentstrategien, strategischem Consulting fürs Kundenmanagement und Zielgruppenresearch.
Dein Weg ins Data Team war nicht linear – wie genau hast du dorthin gefunden?
Angefangen habe ich als Projektmanagerin, wollte aber immer schon in der Strategie arbeiten. Nach eineinhalb Jahren bei interone konnte ich in diesen Bereich wechseln und als 2020 unser integriertes Experience Team ins Leben gerufen wurde, war der Übergang quasi nahtlos.
Zum Data Bereich bin ich dann eher unverhofft gekommen: Eingangs dachte ich, mich zieht es in den Bereich der kreativen Kampagnenstrategie, weil mir diese Arbeit immer viel Spaß gemacht hat. Meine damalige Chefin erkannte aber, dass meine Stärken eher im analytischen Bereich liegen und bot mir die Rolle als Data Teamlead an. Zuerst war ich skeptisch, ob ich wirklich so viel mit trockenen Zahlen arbeiten möchte, doch dann stellte sich heraus, dass der Data Bereich so viel mehr als das ist, vor allem nicht trocken. Der Sprung ins kalte Wasser hat sich für mich also als mehr als richtig erwiesen.
An welchen Projekten arbeitest du aktuell?
Im Databereich arbeiten wir aktuell mit einem Automotive-Kunden an einer verbesserten Messbarkeit ihrer Marketingperformance. Dafür leiten wir aus übergreifenden Unternehmenszielen die für uns relevanten KPIs ab und bringen Struktur in ihre Messung. Mit Hilfe welcher Dashboards oder Reports messen wir? Welche Touchpoints sind beteiligt? Welche zusätzlichen Metriken braucht es? Und wie kann der Prozess zur Verbesserung der KPIs aussehen?
Das klingt im ersten Moment vielleicht banal, aber gerade in großen Unternehmen hängen da komplexe Prozesse dran: die Abstimmung mit verschiedensten Fachbereichen und Agenturen, die Integration mehrerer Datenquellen und technischer Systeme, Businessfragen und Bedürfnisse auf unterschiedlichsten Ebenen. Da wird es nie langweilig.
Außerdem haben wir ein spannendes Projekt mit einem Kunden aus dem Energiebereich am Laufen, bei dem es darum geht, die Customer Experience entlang der gesamten Journey messbar zu machen und mit Journey Dashboards zu visualisieren. Das inkludiert nicht nur Daten aus digitalen Kanälen, sondern beispielsweise auch Salesdaten oder Kunden-Reviews und soll dazu dienen, die verschiedenen Journeys erfolgreicher zu managen.
Zusätzlich sitze ich mit dem Social Media Team für einen weiteren großen Energiekunden an einer Social Strategie. Wir definieren, wie die Ausrichtung auf den Kanälen in Zukunft aussehen soll, um die verschiedenen Zielgruppen erfolgreich zu bedienen. Das ist eher ein operativ-strategischer Task, aber Daten spielen natürlich auch hier eine Rolle: Welche Zielgruppen haben wir? Wie ist deren Nutzungsverhalten? Welche Inhalte performen aktuell gut? Und woran messen wir im Anschluss den Erfolg unserer Maßnahmen?
Das klingt nach einer ganze Menge Arbeit. Wuppst du die allein?
Ich möchte an der Stelle hervorheben, dass ich an keinem dieser Projekte allein arbeite! Wir decken zu siebt die gesamte Data-Wertschöpfungskette ab: von Datenstrategie über Data Collection & Tracking und die Basis des Data Engineering (z. B. Cleaning) sowie Data Science (z. B. Modellierung) bis hin zur Datenanalyse und -visualisierung in Reports sowie Dashboards und schließlich die Interpretation der Daten. Auf dieses Angebot sind wir sehr stolz, weil wir damit viele Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden abdecken können – egal ob Großkonzern oder Mittelständer und unabhängig von ihrer Datenreife.
Jede Person im Team bringt individuelle Fähigkeiten mit: Projektmanagement, Analytics Expertise, eine Python Ausbildung oder eben strategische Denkweisen. Diese Skills bringen wir über einen speziellen Delivery Prozess optimal sowohl für unsere Teams als auch den Kunden zusammen.
Neben der fachlichen Expertise: Welche Eigenschaften sind im Bereich Data Strategy unabdingbar?
Auf jeden Fall eine große Portion Neugierde, Durchhaltevermögen und analytische bzw. strukturierende Fähigkeiten. Der Bereich wächst, auch wenn er bei vielen Unternehmen noch nicht sehr etabliert ist, deswegen muss man am Ball bleiben und seinen „Nutzen“ verargumentieren können. Im Grunde muss man als Data Strategist immer eine Mischung schaffen aus „das große Ganze verstehen“, wie bei Business Problemen und Unternehmensstrategien, und „aus den Details Sinn machen“, wenn es an die konkreten Zahlen oder Analysen geht.




Neben der fachlichen Expertise: Welche Eigenschaften sind im Bereich Data Strategy unabdingbar?
Auf jeden Fall eine große Portion Neugierde, Durchhaltevermögen und analytische bzw. strukturierende Fähigkeiten. Der Bereich wächst, auch wenn er bei vielen Unternehmen noch nicht sehr etabliert ist, deswegen muss man am Ball bleiben und seinen „Nutzen“ verargumentieren können. Im Grunde muss man als Data Strategist immer eine Mischung schaffen aus „das große Ganze verstehen“, wie bei Business Problemen und Unternehmensstrategien, und „aus den Details Sinn machen“, wenn es an die konkreten Zahlen oder Analysen geht.
Welche Herausforderungen stellen sich dir und deiner Disziplin aktuell?
Die größte Herausforderung ist, dass Data für viele immer noch ein extrem komplexes und schwer greifbares Feld ist, an das man sich häufig wegen der vielen Abhängigkeiten und Herausforderungen gar nicht herantrauen will.
Diese reichen von starren Governance-Strukturen in großen Konzernen über budgetäre Challenges in kleineren Unternehmen bis hin zu fehlendem Verständnis für den Mehrwert datenbasierten Arbeitens. Bevor für den Kunden die ersten Erfolge sichtbar werden, verlangt es von unserer Seite oft viel Resilienz und Überzeugungsarbeit, dass sich die Arbeit wirklich lohnen wird.
Persönlich kommt bei mir noch die Herausforderung hinzu, dass ich keine konventionelle Ausbildung im Data-Bereich gemacht habe, sodass ich mir viele praktische Dinge noch selbst im Doing beibringen muss. Zum Glück hilft auch da die Expertise meines Teams: Von allen konnte ich bisher etwas lernen, das mich zu einer besseren Datenstrategin gemacht hat. Selbst die Grundzüge von ETL Pipelines und Python befinden sich mittlerweile in meinem Repertoire.
Spürst du dennoch einen Wandel in deiner Branche?
Datenbasiertes Arbeiten – und damit die Data Literacy – erfährt gerade wieder einen Aufschwung. Getrieben durch die aktuell schwierige Wirtschaftslage sind Unternehmen gezwungen, genauer zu kalkulieren und Risiken zu minimieren. Daten könnten hier die richtigen Antwort liefern, wenn man sie zu hebeln weiß. Daher würde ich allen Unternehmen empfehlen, jetzt in diesen Bereich zu investieren.
Zum Thema KI und Zukunft: Wir sehen schon jetzt einen Shift weg von klassischen Reportings und Dashboards hin zu mehr Beratung und strategischen Ableitungen. Sollte KI in Zukunft unter Einhaltung von Datenschutzrechten auch in der Lage sein, diese Parts valide zu übernehmen, denke ich, dass sich unsere Arbeit noch deutlich mehr um das Aufsetzen von Datenstrategien vor der eigentlichen Analyse sowie der Gestaltung entsprechender Governance- und Infrastrukturen drehen wird.
In den „hinteren“ Bereichen der Data-Wertschöpfungskette wird KI in Zukunft vieles übernehmen können, aber die Streuung der Daten und der Grad an Komplexität in Unternehmensstrukturen wird meiner Meinung nach KI noch lange aus den „vorderen Bereichen“ fernhalten.
Wie hältst du dich bei einem so dynamischen Fachbereich up-to-date?
In vielen Bereichen des Lebens offene Augen und Ohren zu haben, kann einen auch im Job zu unerwarteten Erkenntnissen führen. So höre ich gerne Podcasts oder lese Bücher aus ganz unterschiedlichen, auch fachfremden Bereichen, wie Psychologie oder sogar Astrophysik. Fachlich nutze ich gerne Podcasts wie My Data is better than yours oder Self-Learning-Plattformen wie DataCamp oder Kaggle.
Nicht zu vergessen sind aber auch die Ressourcen, die man direkt vor der Nase hat: die eigenen Kolleginnen und Kollegen! Gerade auf unserer jährlichen oneconference ist mir wieder bewusst geworden, wie viele schlaue Köpfe wir in der Agentur haben und wie viel man sich ganz ohne teure externe Schulungen gegenseitig bereichern kann. Im laufenden Betrieb treffen wir uns für Inspiration und Austausch im Experience Team alle zwei Wochen virtuell, um Projekte vorzustellen und Input aus den verschiedenen Capabilities zu bekommen.
Apropos oneconference: Wie erlebst du das Arbeitsumfeld bei interone?
Ich bin ja schon ein paar Jährchen dabei und das hat natürlich auch einen Grund. Ich fühle mich bei interone zu hundert Prozent wohl und schätze insbesondere die Kollegialität und das bodenständige Mindset. Es zählen echte Ergebnisse, nicht Selbstdarstellung. Und das wird auch so gelebt: Teamwork und Wissensaustausch werden großgeschrieben.
Ich weiß, dass ich mich mit allen Fragen und Problemen an jemanden wenden kann und unterstützt werde – egal ob Junior oder C-Level. Das ist meiner Meinung nach die beste Voraussetzung für Wachstum – auf persönlicher Ebene wie auch als Unternehmen.
Was begeistert dich generell im Leben?
Ich bin generell sehr begeisterungsfähig – ob für Bücher, fremde Kulturen, das Universum, Taylor Swift oder eben Daten. Aber am Ende sind es aber immer Menschen, die mich faszinieren: wie einfallsreich, komplex und tiefgründig sie sind. Mich begeistern technische und medizinische Fortschritte oder fantastische Geschichten genauso wie die dunkleren Seiten des menschlichen Verhaltens. Ohne menschliche Eigenheiten wäre das Leben ziemlich langweilig – und unser Job nicht existent.
Abschließend, liebe Julia: Wenn du deinem jüngeren Ich einen Karrieretipp geben könntest, welcher wäre das?
„Don‘t stress“ und hör auf dein Bauchgefühl, auch, wenn dir die ganze Welt versucht, etwas anderes einzureden. Und ergreife alle Chancen, die sich dir bieten.





